Reiseführer Belgien

Das Königreich Belgien liegt im nördlichen Westeuropa. Die Nachbarländer Frankreich, Luxemburg, Deutschland und Niederlande begrenzen den Staat landseitig, während im Nordwesten die Nordsee angrenzt. Mit einer Fläche von 30.510 km² gehört Belgien zu den kleineren europäischen Staaten, weist jedoch zumindest in den Städten eine hohe Bevölkerungsdichte auf. 95 % aller Belgier leben in den Städten, was zu einer relativ dünnen Besiedelung in den restlichen Gebieten führt. Belgien stellt eine parlamentarische Monarchie dar, seit im Jahr 1830 die Unabhängigkeit von den Niederlanden beschlossen wurde. Der Staat Belgien bildet zusammen mit Luxemburg und den Niederlanden den Staatenverbund Beneluxländer.


Das Land kann geologisch in drei Zonen aufgeteilt werden, deren Benennung sich an der jeweiligen Landschaftsform orientiert. Niederbelgien zeigt sich flach mit weiten Beckenlandschaften, Mittelbelgien ist von Mittelgebirgszügen gekennzeichnet, während Hochbelgien durch die bewaldeten Erhebungen der Ardennen charakterisiert wird. Das Klima zeigt sich passend zur jeweiligen Region nach europäischen Maßstäben. Die beste Reisezeit ist deshalb während der Sommermonate Mai bis September.
In Belgien gibt es unterschiedliche Sprachen, an denen sich auch die Bezeichnung der Bevölkerungsgruppen orientiert. Man u

nterscheidet Französisch sprechende Belgier von der Niederländisch sprechenden Bevölkerung. Als dritte Gruppe gibt es Deutsch sprechende Einwohner. Flämisch spricht man in Flandern, Französisch in Wallonien und in Brüssel samt der dazu gehörenden Region. Man spricht in diesem Zusammenhang von Sprachengemeinschaften, die in einigen administrativen Angelegenheiten sogar gewisse hoheitliche Befugnisse haben. Als Beispiel kann das Schulsystem angeführt werden, das in den Grundzügen zwar einheitlich gestaltet ist, aber dennoch einige Unterschiede aufweist. Die verschiedenen Sprachzugehörigkeiten gaben in der Vergangenheit immer wieder Anlass zu Streitigkeiten und auch in der Gegenwart sind noch nicht alle Konflikte in dieser Beziehung ausgeräumt.
In wirtschaftlicher Hinsicht ist Belgien trotz steigender Inflationsrate als stabil zu werten. Das Land ist stark vom Export abhängig und muss daher in Zeiten der Wirtschaftskrise Beeinträchtigungen hinnehmen. Im Gegenzug profitiert das Land von der wachsenden Bedeutung des Tourismus.


Die Hauptstadt Brüssel ist nicht nur für das Königreich Belgien von Bedeutung. Als Sitz der Europäischen Union und der NATO nimmt die Stadt auch für Europa einen hohen Stellenwert ein. Touristen schätzen die architektonisch interessante Bebauung aus dem 19. Jahrhundert. Die Bauten sind überwiegend der Jugendstil Epoche zuzuordnen. Eine weitere Sehenswürdigkeit in Brüssel ist das europaweit bekannte Atomium, das als Mahnmal für die friedliche Nutzung von Kernenergie verstanden werden soll. Es gilt als Wahrzeichen der Stadt und gleichzeitig des gesamten Königreiches, wobei es noch ein weiteres, heimliches Wahrzeichen gibt: Belgische Pralinen. Die Herstellung von Schokolade ist eine Kunst in Belgien, die eine lange Tradition hat.

Geographische Lage von Belgien

Koordinaten 51°N, 5°O Fläche 30510 km²
Landfläche 30230 km² Wasserfläche 280 km²
Höchster Punkt Signal de Botrange, 694 m Landesgrenze 1385 km
Größte Insel - Küste 66 km
Größter See Längster Fluss: Maas, 930 km (anteilig)

Belgien liegt im nördlichen Europa, zählt geografisch aber zu Mitteleuropa. Die nordöstliche Grenze verläuft zu den Niederlanden, die östliche zu Deutschland, südöstlich grenzt Luxemburg und westlich Frankreich. Im Nordwesten grenzt die Nordsee mit einer knapp 70 km langen Küste an das Land. Geologisch und geografisch unterteilt man das Land entsprechend seiner Landschaftsstrukturen in Nieder-, Mittel- und Hochbelgien.

Hinter der Nordseeküste beginnt ein Dünenstreifen, der eine fruchtbare Region anschließen lässt. Dahinter – Richtung Landesinnerem, reiht sich eine Hügellandschaft auf, die in eine Ebene übergeht. Im Westen wird diese Ebene von der Flandrischen Geest und im Osten vom Kempenland begrenzt. Die Flandrische Geest ist schon seit Jahrhunderten gut bevölkert, während das Kempenland überwiegend von mageren Heidelandschaften überzogen ist und aus diesem Grund schon in früheren Zeiten keine gute Grundlage für eine Besiedelung bot.
Südlich von Brüssel bis zu den Ardennen liegt die fruchtbarste Region Belgiens, Mittelbelgien. Aufgrund der überwiegend ländlich geprägten Besiedelung wird Mittelbelgien auch als Kornkammer oder Gemüsegarten des Landes bezeichnet.


In der Grenzregion zu Frankreich ist das industriell geprägte Belgien angesiedelt, das durch die einst reichhaltigen Vorkommen an Steinkohle und Eisenerz die Nation zu einer der ersten Industrienationen Europas werden ließ.


Hochbelgien ist landschaftlich durch die bewaldeten Gebirgszüge der Ardennen geprägt.
Nennenswerte Gewässer gibt es in Belgien nicht. Der längste Fluss ist die Maas, die aber nur zu einem Teil zu Belgien gehört. Sie durchfließt mit einer Länge von 930 km das Land der Breite nach, von Frankreich nach den Niederlanden.

Wichtige Städte in Belgien

Brüssel


Geografische Lage: 50° 51′ N, 4° 21′ O
Fläche: Region: 161,4 km² Stadt: 32,61 km²
Einwohner: Region: 1.067.557 (Stand 2009) Stadt: 148.900 (Stand 2009)
Bevölkerungsdichte: Region: 6.497 Einwohner pro km² Stadt: 4.566 EW/km²


Brüssel liegt im Brüsseler Becken und damit im Zentrum des Landes. Die Hauptstadt Brüssel ist nicht nur Sitz des Königshauses, sondern auch der Sitz der Französischen Gemeinschaft Belgiens. Dazu kommt noch seine Funktion als Sitz der Europäischen Union und als Sitz der NATO. Das Ständige Sekretariat der Beneluxländer befindet sich ebenfalls in Brüssel, sowie der Westeuropäischen Union und der Eurocontrol.


Zur Hauptstadt des Landes Belgien wurde Brüssel im Jahr 1830 erhoben. Heute ist die Stadt neben seiner wichtigen politischen Funktion als Sitz diverser Institutionen das wichtigste Handels- und Wirtschaftszentrum für Belgien. Es befinden sich einige Universitäten und Hochschulen in der Stadt, sowie wichtige Museen und andere kulturelle Einrichtungen. An sehenswerten Gebäuden gibt es den Justizpalast, das Gebäude der Börse, den Königspalast und den Triumphbogen zu nennen. Sie stammen aus dem 19. Jahrhundert und prägen mit ihrer Architektur das Stadtbild. Daneben gibt es eine Reihe von Gebäuden mit Jugendstil Architektur.


Brüssel ist französisch-wallonisch ausgerichtet, was sich am gesamten Ambiente im urbanen Brüssel bemerkbar macht. In der Region Brüssel ist jedoch neben Französisch auch Niederländisch eine weit verbreitete Sprache. Die Sprachverteilung in der Brüsseler Bevölkerung zeigt sich nicht einheitlich. Während es geschätzte 50 % einsprachig Französisch sprechende Menschen gibt, findet man nur etwa 10 % einsprachig Niederländisch sprechende Bürger. Der Rest der Bevölkerung ist zweisprachig, wobei jeweils noch eine dritte Sprache, evtl. Muttersprache von Zugereisten, dazu kommen kann.

Bevölkerung in Belgien

Einwohner 10.839.905 Durchschnittsalter 41
Einwohner pro km² 335 Analphabetenrate 1
Bevölkerungswachstum - Religion Katholisch: 73% Protestantisch: 1% Islam: 4%
Lebenserwartung Frauen 82 Jahre Lebenserwartung Männer 76 Jahre

Die belgische Bevölkerung wird nach Sprachgruppen eingeteilt. Die letzte Erhebung zum Thema Verteilung der Sprachgruppen fand im Jahr 1962 statt. Damals hatten die Niederländisch sprechenden Flamen mit ca. 60 % den stärksten Anteil an der Gesamtbevölkerung. Die restlichen 40 % teilen sich unter den Wallonen und Französisch sprechenden Einwohnern auf. Weniger als 1 % betrug der Anteil Deutsch sprechender Belgier und noch weniger Einwohner sprechen Luxemburgisch. Ca. 0,15 % der Bevölkerung sind der Gruppe „gens du voyage“ (Reisende) zuzuordnen. Dabei handelt es sich vorwiegend um Roma, Manouches und Jenische, die in Wohnwagen leben und sich auch sprachlich von der restlichen Bevölkerung abheben. Niederländisch mit seinen flämischen Dialekten, Französisch und Deutsch sind die drei Amtssprachen des Landes.


Das Christentum ist mit 75 % in der Bevölkerung weit verbreitet und stellt damit die Hauptreligion in Belgien dar. Demgegenüber steht nur 1 % Protestantismus und 4 % Islam. 20 % der Belgier bezeichnet sich als konfessionslos.


Das Bildungssystem ist je nach den sprachlich orientierten Regionen unterschiedlich. Die einzelnen Sprachgemeinschaften verfügen dabei über hoheitliche Befugnisse, die sich auf das Schulsystem auswirken können. Das System der Hochschulen wurde jedoch auf eine einheitliche europäische Ebene gebracht.
Mit einer deutlichen Mehrheit von 95 % lebt die Bevölkerung bevorzugt in Städten.

Wirtschaft in Belgien

BIP 367.892.300.000 USD
BIP pro Kopf 35.445 USD
Anteil Landwirtschaft 1 %
Anteil Industrie 24 %
Anteil Dienstleistungssektor 75 %

Der größte und stärkste Wirtschaftsfaktor ist der Tourismus. Belgien hat sich in den vergangenen Jahren zum beliebten Reiseland für Deutsche, Franzosen, Niederländer, Engländer und Luxemburger entwickelt. Touristisch stark besuchte Regionen sind neben der Nordseeküste auch die Ardennen und sehenswerte Städte, wie beispielsweise Brügge. Außerdem werden einige Orte und Regionen gerne von Menschen besucht, die sich für die Stätten des Ersten Weltkriegs interessieren.


Daneben ist Belgien ein starkes Exportland. 50 % der exportierten Güter haben Deutschland, Frankreich und die Niederlande als Ziel. Die wichtigsten Ausfuhrgüter kommen aus den Branchen Maschinenbau, chemische Erzeugnisse und Transportmittel. Da die wirtschaftlichen Aktivitäten stark auf den Export bezogen sind, war die jüngste Wirtschaftskrise im ersten Jahrzehnt nach der Jahrtausendwende von besonderer Tragweite für das Land. Das führte zu einem deutlich spürbaren Anstieg der Inflationsrate. Dennoch ist die belgische Wirtschaft als stabil zu bezeichnen.

Geschichte von Belgien

Provinz Belgica – so hieß das Gebiet unter den Römern. Die Region wurde von Kelten und Germanen besiedelt. Bis ins 17. Jahrhundert wuchs die Bedeutung des Landes in kultureller und wirtschaftlicher Hinsicht. Gleichzeitig war das Gebiet des Landes Schauplatz verschiedener kriegerischer Auseinandersetzungen von europäischen Machthabern. Bevor es als Bestandteil vom Heiligen Römischen Reich galt und in einzelne Grafschaften und Herzogtümer aufgeteilt wurde, stand es unter der Herrschaft der Franken.

1477 übernahm der spanische Zweig der Habsburger die Macht, danach folgten die österreichischen Zweige des Hauses Habsburg. Flandern stellte vom Mittelalter bis zur Neuzeit ein wichtiges Wirtschaftszentrum dar, das 1794 im Rahmen der Französischen Revolution an Frankreich fiel. Der Wiener Kongress teilte im Jahr 1815 Belgien den Niederländern zu. Die darauf folgende Revolution erreichte im Jahr 1830 die Unabhängigkeit von den Niederlanden.

Die Monarchie, die als Folge davon aufgebaut wurde, konnte als ersten König Leopold von Sachsen-Coburg krönen. Dessen Sohn und Nachfolger auf dem Thron, König Leopold II. erwarb den Kongo als seinen privaten Besitz in Afrika und errichtete dort eine ausbeuterische Schreckensherrschaft, die 1908 mit der Übergabe des Privatbesitzes an den belgischen Staat endete. Der Kongo war anschließend bis zu seiner Unabhängigkeit im Jahr 1960 eine belgische Kolonie. Belgien ist bis heute eine Monarchie, die bundesstaatlich und parlamentarisch organisiert ist.