Reiseführer Brasilien

Fotos Brasilien

  • Blick vom Zuckerhut aus auf Rio de Janeiro
  • Die Erlöserstatue in Rio de Janeiro
  • Gaucho in Brasilien
  • Blick in die Innenstadt von Salvador da Bahía
  • Traditionelle Sambatänzerin in Brasilien

Brasilien ist gemessen an Fläche und Bevölkerung der fünftgrößte Staat der Erde. Zudem ist das Land das Bevölkerungsreichste Südamerikas. Fast die Hälfte des Kontinents wird von Brasilien eingenommen, sodass das Land außer mit Chile und Ecuador eine gemeinsame Grenze hat. Brasilien grenzt an Französisch-Guayana, Suriname, Guyana, Venezuela, Kolumbien, Peru, Bolivien, Paraguay, Argentinien, Uruguay sowie an den Atlantik.

Die Flagge Brasiliens hat eine besondere Bedeutung. Das Grün symbolisiert den Waldreichtum des Landes, das Gelb der Raute steht für den Reichtum an Gold und anderen Bodenschätzen. Die blaue Himmelskugel stellt den Himmel über Brasilien dar, die weißen Sterne versinnbildlichen die einzelnen Bundesstaaten des Landes. Das Motto des Schriftbandes „Ordem e Progresso“ heißt auf Deutsch „Ordnung und Fortschritt“.

Der tropische Regenwald im Amazonasbecken ist das größte zusammenhängende Waldgebiet. Mehr als 2.500 Baumarten, verschiedene Farn- und Orchideenarten sowie zahlreiche Palmen gedeihen dort. Auf dem Amazonas schwimmen unzählige Seerosen, deren Blüten 30 bis 40 Zentimeter groß werden können. Entlang der Küste Amazoniens liegen weitläufige Mangrovenwälder, in den denen bisher sechs Mangrovenbaum-Arten bekannt sind.

Die Tierwelt Brasilien zeigt sich recht artenreich. Im Amazonasgebiet leben Papageien, Kolibris und Tukane. Zudem sind rund 1.500 Insekten- und Schmetterlingsarten bekannt. Neben diesen gibt es noch weitere Tiere im Regenwald. Zu ihnen gehören Tapire, Wildschweine, Jaguar und Puma. Auch Wildkatzen, Faultiere, Gürteltiere, Affen und Ameisenbären bevölkern den Regenwald. Zahlreiche Fischarten fühlen sich im Amazonas zu Hause. Hier lebt auch der größte bekannte Süßwasserfisch der Welt, der Pirarucú.

Im Nordosten Brasiliens dominieren Plantagen, die für den Anbau von Zuckerrohr und Baumwolle genutzt werden. Nur noch vereinzelt sind Mangroven- und Palmenhaine zu sehen. Das Bergland im Zentrum und Süden des Landes beherbergt nur wenige Tiere, da hier hauptsächlich Baumsavanne vorherrscht. Im Nordosten der Region überwiegt Strauchsavanne. Im Pantanal Gebiet hingegen kommen vielfältige Tier- und Pflanzenarten vor. Der Südosten des Landes wird von Kaffeeplantagen geprägt. Darüber hinaus gibt es Weideflächen für Rinder. Der Süden ist von subtropischer Vegetation durchzogen, der den Lebensraum für Tiere bietet.

Auch wenn der tropische Regenwald im Amazonasgebiet nach wie vor eines der größten unberührten Waldgebiete weltweit ist, so ist doch nicht zu übersehen, dass diese Unberührtheit in ernsthafter Gefahr ist. Mitte 2008 gründete Brasilien einen Fonds zum Schutz des Amazonas-Regenwaldes.

Geographische Lage von Brasilien

Koordinaten 35º W - 74º W / 5º N Fläche 8514877 km²
Landfläche 8459417 km² Wasserfläche 55460 km²
Höchster Punkt Pico da Neblina, 2.994 m Landesgrenze 16885 km
Größte Insel - Küste 7491 km
Größter See Lagoa dos Patos mit 10.145 km²

Brasilien hat zehn Nachbarstaaten. Nach der Volksrepublik China und Russland hat das Land mit 16.885 Kilometer Landesgrenze die drittlängste Landesgrenze der Erde.

Der höchste Gipfel des Staates ist der Pico da Neblina mit 2.994 Meter. Er liegt im gleichnamigen Nationalpark, unweit der Grenze zu Venezuela und Guyana. Der zweithöchste Berg ist der Pico 31 de Março mit 2.973 Meter, der dritthöchste der Pico da Bandeira mit 2.891 Meter. Der berühmteste Berg Brasiliens ist der Corcovado. Er ist zwar mit seinen 710 Metern relativ klein, bietet aber einen spektakulären Blick über Rio de Janeiro. Auf ihm steht die 30 Meter hohe Christusstatue Monumento Cristo Redentor.

Der wichtigste Fluss Brasiliens ist der Amazonas. Er ist zugleich mit 6.448 Kilometern der längste Fluss der Erde. Bedeutende Zuflüsse sind der Rio Purus, der Rio Negro sowie der Rio Tapajós. An der Grenze zu Argentinien verläuft der Fluss Iguaçu. Im gleichnamigen Nationalpark sind die Iguaçu-Wasserfälle eine der größten Attraktionen. Sie sind größer als die Niagarafälle.

Zum Hoheitsgebiet Brasiliens gehören auch Inseln im Atlantik. Dazu zählen unter anderem die Inseln Trindade und Martim Vaz, das Rocas-Atoll, die Sankt-Peter-und-Sankt-Pauls-Felsen sowie die Insel Fernando de Noronha, eine ehemalige Sträflingskolonie. Die größte Insel – Marajó – liegt im Amazonas. Sie ist die größte Flussinsel weltweit und hat eine Fläche von rund 48.000 Quadratkilometer.

Wichtige Städte in Brasilien

Brasilia

Hauptstadt: Brasília
Geografische Lage: 47º 52' W 15º 48' S
Fläche: 5.822 km²
Einwohner: 2,6 Mio.
Bevölkerungsdichte: 422 Einwohner pro km²
Sprache: Portugiesisch

Brasilía ist die Hauptstadt Brasiliens. Sie hat rund 2,6 Millionen Einwohner auf einer Fläche von 5.822 km², wobei die Bevölkerungsdichte 422 Einwohner pro km² beträgt. Die Hauptstadt Brasilien liegt in 1.158 Meter Höhe etwa in der Mitte Brasilien. Allerdings ist sie weit entfernt von den anderen Großstädten des Landes wie São Paulo, Rio de Janeiro, Recife und Belém.

Bevölkerung in Brasilien

Einwohner 190.732.694 Durchschnittsalter 29
Einwohner pro km² 22 Analphabetenrate 11
Bevölkerungswachstum 1 % Religion 94% Christlisch (katholisch), 6% andere
Lebenserwartung Frauen 76 Jahre Lebenserwartung Männer 68 Jahre

Rund 90 % der brasilianischen Bevölkerung lebt in den Bundesstaaten der Ost- und Südküste. Hier herrscht eine Bevölkerungsdichte von 20 bis über 300 Einwohner/km². Der restliche Teil Brasilien, hierzu gehören auch der Amazonas und die Bergregionen, ist mit einer Bevölkerungsdichte von unter 5 bis 20 Einwohner/km² nur sehr gering besiedelt.

Die Bevölkerung des Landes ist sehr jung. So haben die unter 15-jährigen einen Anteil von 28,2 Prozent. Zwischen 15 und 64 Jahren sind 65,8 Prozent der Bevölkerung. Nur sechs Prozent der Brasilianer sind über 65 Jahre alt. Die Geburtenziffer betrug im Jahre 2003 19,5 Babys auf 1.000 Einwohner. Die durchschnittliche Anzahl der Kinder pro Frau lag bei 2,1. Die Lebenserwartung der Frauen liegt bei 75,7, die der Männer bei 68,43 Jahre.

In Brasilien herrscht eine sehr große Kluft zwischen Arm und Reich. Seit dem Jahre 2003 gilt im Land ein Gleichstellungs- und Anti-Hunger-Programm. Rund 70 Prozent der Bevölkerung leben in den Großstädten.

Die Sprache des Landes ist Portugiesisch. Damit ist Brasilien das einzige Land Amerikas, in dem als Amtssprache Portugiesisch gesprochen wird. Insgesamt werden im gesamten Land rund 190 verschiedene Sprachen und Idiome gesprochen. Das liegt auch daran, dass es in Brasilien aufgrund der Einwanderung zahlreiche Minderheitensprachen gibt, die über viele Generationen weitergetragen werden.

Wichtige Städte und Großräume Brasiliens sind São Paulo, Rio de Janeiro, Belo Horizonte, Porto Alegra, Recife, Fortaleza, Salvador da Bahia und Brasília. Die größte Stadt des Landes ist São Paulo. Hauptstadt Brasiliens ist seit 1960 Brasília, vorher hatte Rio de Janeiro fast 200 Jahre diese Position inne. Nach wie vor ist Rio de Janeiro aber die bekannteste Stadt Brasiliens, nicht zuletzt aufgrund des Karnevals und der spektakulären Strände.

Wirtschaft in Brasilien

BIP -
BIP pro Kopf 8.300 USD
Anteil Landwirtschaft 6 %
Anteil Industrie 25 %
Anteil Dienstleistungssektor 67 %

Wenn man das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach der Kaufkraftparität bemisst, ist es in Brasilien von allen Ländern in Amerika am größten, die USA ausgenommen. Allerdings sind diese Zahlen vor allem auf die große Bevölkerung des Landes zurückzuführen. Wird das BIP auf die Einwohnerzahl umgerechnet, dann ist der Rang geringer. Der Anteil der Industrie am BIP beträgt 25,4 Prozent, der Anteil der Dienstleistungen 68,5 Prozent. Die Landwirtschaft trägt nur noch zu 6,1 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Wichtige Exportartikel des Landes sind Maschinen, Kaffee, Kakao, tropische Früchte, Fleisch, Zucker, Soja, Stahl, Zinn und Aluminium. Die Zuckerindustrie in Brasilien ist die größte weltweit und zugleich ein wichtiger Wirtschaftsfaktor des Landes.

Geschichte von Brasilien

Nachdem Christopher Kolumbus (1492) Amerika entdeckte, wurde die sogenannte neue Welt unter Spanien und Portugal aufgeteilt (Vertrag von Tordesillas 1494). Brasilien, damals noch unbekannt, fiel der portugiesischen Hälfte zu. Entdeckt wurde Brasilien offiziell am 22. April 1500 durch den portugiesischen Seefahrer Pedro Álvares Cabral. Ab 1532 wurde das Gebiet durch die Portugiesen besiedelt, sie brachten auch afrikanische Sklaven ins Land, die zur Arbeit auf den Zuckerrohrplantagen eingesetzt wurden. Die Erschließung des Hinterlandes begann im 17. und 18 Jahrhundert. Ab 1763 wurde Rio de Janeiro Hauptstadt des Landes. Am 7. September 1822 erklärte Brasilien seine Unabhängigkeit. Der spätere Export von Kaffee, Zuckerrohr und Kautschuk brachte dem Land einen enormen Wirtschaftsaufschwung. Als Folge strömten viele Einwanderer aus Europa nach Brasilien. In den Jahren 1851/52 musste das Land gegen den argentinischen Diktator Juan Manuel Rosas kämpfen. 1865-1870 verbündete sich das siegreiche Land mit Argentinien und Uruguay zum Krieg gegen Paraguay.

Ab 1831 galt ein Verbot des Sklavenhandels. Die Sklaverei selbst wurde allerdings erst 1888 durch Pedro II. aufgehoben. 1889 kam es zum Militärputsch, die Monarchie wurde gestürzt. Pedro II. musste ins Exil fliehen. Die Föderative Republik der Vereinigten Staaten von Brasilien wurde ausgerufen. Die Verfassung von 1891 ist angelehnt an das US-amerikanische Vorbild. Erster Staatspräsident wurde Marschall da Fonseca. Nunmehr begann die wirtschaftliche Blütezeit von Brasilien.

Nach der Weltwirtschaftskrise 1929 und dem Zusammenbrechen des Kaffeemarktes wurde das Land in eine politische Krise gestürzt. Der gescheiterte Präsidentschaftskandidat Getúlio Vargas putschte sich mit Unterstützung des Militärs an die Macht. Er proklamierte 1937 das autoritäre Regierungssystem Estado Novo. Der Kongress wurde aufgelöst, Parteien verboten. An der Seite der Alliierten trat Brasilien unter Vargas in den 2. Weltkrieg ein.

Nach Kriegsende erfolgte Vargas Rücktritt, der neue Präsident Eurico Gaspar Dutra kehrte zur Demokratie zurück. 1951 wurde Vargas allerdings erneut zum Präsidenten gewählt. Als er drei Jahre später Selbstmord beging, begann die Präsidentschaft von Juscelino Kubitschek de Oliveira. Unter seiner Herrschaft wurde Brasilía 1960 die neue Hauptstadt des Landes. Nach der Präsidentschaft von João Goulart und einem Putsch des Militärs im Jahre 1964 kam es 1979 zur Aufhebung der Ausnahmegesetze. Nunmehr entspannte sich die politische Lage zunehmend.

Zu ersten Ansätzen einer Liberalisierung kam es unter dem neuen Präsidenten Ernesto Geisels, der von 1974 bis 1979 die Präsidentschaft innehatte. 1979 begann ein innenpolitischer Prozess der Öffnung, der seinen Höhepunkt darin hatte, dass nach über 20 Jahren freie Präsidentschaftswahlen 1985 stattfinden konnten. Da das gewählte Staatsoberhaupt noch vor Amtsantritt starb, übernahm der Vizepräsident José Sarney die Präsidentschaft.

Eine neue Verfassung trat 1988 in Kraft. Der erste direkt gewählte Präsident Fernando Collor de Mello wurde 1992 von Itamar Franco abgelöst. 1994 und 1998 gewann der ehemalige Finanzminister Fernando Cardoso die Präsidentschaftswahlen. Ab 2002 regierte Luiz Inácio Lula de Silva das Land. Als erste Frau gewann 2010 Dilma Rousseff die brasilianischen Wahlen. Seit dem 1. Januar 2010 ist sie Präsidentin Brasiliens.