Reiseführer Tunesien

Fotos Tunesien

  • Blick auf ein Minarett in Tunis
  • Tatouine - ursprüngliche, tunesische Baukunst
  • Die große Moschee in Monastir
  • Urlaubsstrand an der tunesischen Mittelmeerküste
  • Dromedare in der tunesischen Wüste
  • Blick auf Tunis

Tunesien ist das nördlichste Land auf dem afrikanischen Kontinent. Im Westen grenzt es an Algerien, Libyen ist der südöstliche Nachbar, während im Norden und Osten das Mittelmeer angrenzt. Tunesien bildet zusammen mit Marokko und Algerien, sowie mit Libyen und Mauretanien einen Staatenverbund, der unter der Bezeichnung Maghreb Staaten bekannt ist. Es handelt sich nicht um ein politisches Bündnis, die Gemeinsamkeiten beziehen sich vielmehr auf die geografische Lage und kulturelle Übereinstimmungen. Der Name des Staates wurde von der Bezeichnung für die Hauptstadt Tunis abgeleitet.

Die Bevölkerungsdichte ist mit durchschnittlich 62 Einwohnern pro km², bezogen auf eine Gesamtfläche von 163.610 km² und einer Gesamteinwohnerzahl von über 10 Millionen Menschen vergleichsweise gering. In Tunesien gibt es hügelige Landschaften, Berge mit mittlerer Höhe und sehr hohe Gebirgszüge. Die höchste Erhebung ist 1.544 m hoch. Daneben sind Wüsten, Steppen und fruchtbare Ebenen zu finden. Gewässer gibt es hauptsächlich im Norden des Landes, während die südlichen Gebiete eher von Wüste und Steppenland gekennzeichnet sind.

Mit knapp unter 1 % ist das Bevölkerungswachstum in Tunesien als niedrig anzusehen. Die geringste Geburtenrate der arabischen Welt untermauert diese Entwicklung. Durch die Besiedelung verschiedener Volksgruppen bildete sich im Laufe der Jahrhunderte ein Völkergemisch, an dem auch die Römer und Germanen beteiligt waren, wie auch Berber und Iberer. Mit dem Zuzug arabischer Völker und die moslemische Eroberung der nordafrikanischen Staaten, kam der arabische Einfluss dazu, der heute das Bild des Landes und der Menschen prägt. Die Amtssprache ist Arabisch, sie wird von breiten Teilen der Bevölkerung gesprochen. Französisch wird nur vom bildungsnahen Anteil der Bevölkerung gesprochen.

Wirtschaftlich gesehen ist Tunesien eines der wichtigsten Länder Afrikas, die als Handelspartner Europas in Frage kommen. Besonders das Phosphatvorkommen macht das Land interessant, da die Nachfrage nach phosphathaltigen Düngern und anderen Produkten steigt. Wesentlicher Faktor für die Wirtschaft ist neben Industrie und Vermarktung der Bodenschätze der Tourismus.

Die Hauptstadt Tunis liegt im Norden des Landes. Sie spielt eine wichtige wirtschaftliche Rolle und kann gleichzeitig auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurückblicken. Für Touristen ist die islamisch geprägte Altstadt (Medina) besonders interessant, die einen beachtenswerten Gegensatz zur westlich orientierten Neustadt darstellt.

Die klimatischen Bedingungen sind vom mediterranen Einfluss des Mittelmeeres bis hin zum heißen und trockenen Wüstenklima sehr unterschiedlich.

Geographische Lage von Tunesien

Koordinaten zwischen 37° 20’ und Fläche 163610 km²
Landfläche 155360 km² Wasserfläche 8250 km²
Höchster Punkt Djebel Chambi 1.544 m Landesgrenze 1424 km
Größte Insel - Küste 1148 km
Größter See -

Tunesien ist als nördlichstes Land Afrikas nur 140 km von Sizilien und damit von Europa entfernt. Es handelt sich um ein lang gestrecktes Land mit einer Nord-Süd-Ausdehnung von maximal 780 km, gemessen von Cap Blanc bis zur Grenzstation Bordj el Khadra. Die maximale Ost-West-Ausdehnung misst ca. 380 km, bezogen auf die Distanz von Djerba bis Nefta. Da Tunesien von zwei Seiten an das Mittelmeer grenzt, beträgt die Küstenlänge ca. 1.200 km.

Die Landschaft in Tunesien ist sehr vielfältig und abwechslungsreich. Neben Gebirgszügen mit einer Höhe um 600 m gibt es auch Gebirgszüge, die über 1.500 m hoch sind. Daneben gibt es fruchtbare Ebenen und auch Wüstengebiete.
Die Gebirge im Einzelnen: Tell-Atlas im Nordosten des Landes, die Kroumirie Gebirgszüge mit bis zu 800 m Höhe, die parallel zur Nordküste und nahe der Grenze zu Algerien verlaufen. Das Mogod Bergland mit bis zu 400 m Höhe ist im Anschluss an das Kroumirie Gebirge zu finden. Das Dorsale Gebirge zieht sich 220 km lang von Nordost nach Südwest und hat mit 1.544 Metern den höchsten Berg Tunesiens, den Djebel Chambi.

Die Sahel Zone befindet sich in einem Gebiet zwischen Hammamet, Skhira, Sousse und Sfax entlang der Mittelmeerküste. Sie gilt als sehr fruchtbares Gebiet, was mit ihrer günstigen Küstenlage erklärt werden kann. Üppige Olivenbaumkulturen bestätigen die Fruchtbarkeit des Sahel Gebietes. Weiter südlich beginnt die Tunesische Steppe, die in die Sahara übergeht, eine Wüstenlandschaft in der es Salzseen und Oasen gibt. Weiter südöstlich grenzt das Kalksteinplateau an, das mit seinen 600 m Höhe auffällt und eine geografische Grenze zur Djeffara Ebene mit seiner Wüstensteppe bildet. Mit dem Golf von Gabés zeigt sich Tunesien von seiner touristisch schönen Seite, mit Lagunen und Sandstränden.
Neben Wüste und Gebirge gibt es in Tunesien auch Gewässer. Sie sind hauptsächlich im Norden des Landes zu finden. 82 % des Wasservorkommens führt der wichtigste Fluss des Landes, der Medjerda.

Wichtige Städte in Tunesien

Tunis

Geografische Lage: 36° 48' 3" N, 10° 10' 48" O
Fläche: 212,63 km²
Einwohner: 728.453
Sprache: Arabisch


Die Hauptstadt des Landes liegt im Norden, nahe dem Mittelmeer, was den weltoffenen Charakter der Stadt geprägt hat. Tunis ist eine arabische Stadt mit französischem Einfluss, was am typischen Flair in jedem Winkel zu spüren ist. Die historische Altstadt und die Neustadt aus der Kolonialzeit liegen zwischen den beiden Seen Sebkhet Sedjoumi und dem See von Tunis. Letzterer ist von einem 10 km langen Damm durchzogen, der von den französischen Kolonialherren gebaut wurde und heute als Straße dient. Die Medina von Tunis, eine islamische Bezeichnung für „Altstadt“, ist sehr sehenswert und daher von Touristen gut besucht. Zu den weiteren Sehenswürdigkeiten in und um Tunis zählen das Bardo Museum, die Zitouna Moschee, sowie die Djammaa ez-Zitouna oder Große Moschee. In etwa 20 km Entfernung liegt Sidi Bou Said, das berühmte und sehr sehenswerte Künstlerdorf.

Wirtschaftlich spielt Tunis eine große Rolle für das Land. Es gilt nicht zuletzt deshalb als Verkehrsknotenpunkt in Bezug auf Bahn, Auto und Flugzeug. Für aus dem Ausland anreisende Gäste kommt der internationale Flughafen Tunis in Frage. Tourismus ist ohnehin ein wichtiger Faktor für die Wirtschaft der Stadt. Daneben liegen Schwerpunkte auf der Produktion von Teppichen, Textilien und Olivenöl.

Tunis kann mit Stolz auf eine lange Geschichte zurückblicken, denn es ist eine der ältesten Städte rund um das Mittelmeer. Bereits 900 v.Chr. gab es eine nachweisbare Besiedelung. Nach der Zerstörung von Karthago im 7.Jh. konnte Tunis seine Bedeutung wesentlich steigern. Im 12. Jh. wurde es sogar zum wichtigsten Handelszentrum für den europäischen Raum. 1534 musste sich Tunis der türkischen Herrschaft beugen. Anfang des 16. Jahrhunderts wurde die Stadt zum Refugium moslemischer und jüdischer Flüchtlinge aus aller Welt, was letztlich die weitere kulturelle Entwicklung positiv beeinflusste.

Ende des 19. Jahrhunderts kamen die Franzosen zum Zug und übernahmen die Herrschaft über das Land und dessen Hauptstadt Tunis. Der Baustil der heutigen Neustadt ist auf französischem Einfluss zurückzuführen. Das Ende der Kolonialzeit im Jahr 1956 war mit einer Auswanderungswelle europäisch stammender Bürger in ihre ursprüngliche Heimat verbunden. Damit verließ fast ein Viertel der Bevölkerung das Land. Gleichzeitig fand eine große Landflucht der Bevölkerung in die Hauptstadt statt. Der Bau von neuen Wohnungen wurde erforderlich und so entstanden weitreichende Neubaugebiete.

Bevölkerung in Tunesien

Einwohner 10.175.100 Durchschnittsalter 28
Einwohner pro km² 62 Analphabetenrate 25
Bevölkerungswachstum 1 % Religion Muslimisch
Lebenserwartung Frauen 77 Jahre Lebenserwartung Männer 73 Jahre

Die Bevölkerung hat sich seit 1956 verdreifacht. Seit Mitte der Neunzigerjahre ist das Wachstum allerdings wieder zurückgegangen. Tunesien hat heute die niedrigste Geburtenrate aller arabischen Länder, das Bevölkerungswachstum liegt knapp unter 1 %. Die ethnische Entwicklung der Bevölkerung geht auf eine jahrtausendelange Entwicklung zurück. Neben den Berbern und Iberern waren es auch die Römer, die Phönizer und sogar die germanischen Vandalen, die zusammen mit Ottomanen und Mauren den ethnischen Mix bildeten. Dazu kamen im 15. Jahrhundert noch Einflüsse durch Franzosen und durch jüdische Spanier. Die arabischen Gene sind demnach bei den Tunesiern in der Minderheit. Dennoch hat der arabische Einfluss große Wirkung, der sich nicht zuletzt durch die moslemische Eroberung der nordafrikanischen Maghreb-Länder bemerkbar machte.

Die Amtssprache Arabisch wird auch als Umgangssprache eingesetzt, wobei durch den Einfluss diverser Dialekte die Form des Tunesisch-Arabisch entstanden ist. In den südlichen Gebieten und auf der Insel Djerba kann man vereinzelt auch Berber Dialekte finden. In gehobenen Kreisen wird auch Französisch gesprochen. Die westliche Sprache gilt als Zeichen von Kultur und Bildung.

Der Islam gilt als Staatsreligion. 85 % aller Mohammedaner in Tunesien zählen sich zu den Sunniten, den Rest bilden Hanafiten und Ibaditen, beides sind Grundrichtungen aus dem Islam. Es gibt auch eine jüdische und christliche Minderheit, der man in Tunesien tolerant gegenüber steht.

Wirtschaft in Tunesien

BIP 31.673.000.000 USD
BIP pro Kopf 3.112 USD
Anteil Landwirtschaft 13 %
Anteil Industrie 31 %
Anteil Dienstleistungssektor 56 %

Die tunesische Wirtschaft ist in den letzten beiden Jahrzehnten stetig gewachsen. Sie gilt als wettbewerbsfähig und nimmt unter allen Ländern Afrikas eine führende Rolle ein. Wirtschaftlich ist Tunesien stark an Europa orientiert, was nicht zuletzt auch dem Tourismus zu verdanken ist. Aber auch für den Export ist Europa ein wichtiger Handelspartner. Exportgüter wie Lebensmittel, Maschinen, Rohöl, Fahrzeuge und -zubehör, Produkte aus dem IT-Bereich sowie Textilien und Lederwaren werden in die westliche Welt geschickt.

Die Versorgung der Bevölkerung mit eigenproduzierten Lebensmitteln ist problematisch, was nicht zuletzt zu erhöhten Preisen führt und wiederum die Armut im Land verstärkt. Um eine wirksame Gegenmaßnahme zu ergreifen, wird derzeit versucht, die Hochseefischerei zu stützen.

Mit seinen Bodenschätzen kann Tunesien nur eingeschränkt Einnahmen erzielen, da die Vorkommen begrenzt sind. Die Industrie gibt einem Drittel aller Erwerbstätigen einen Arbeitsplatz, im Wesentlichen in der Textil- und Lederindustrie. Aufgrund des Phosphatvorkommens gibt es auch einen Anteil chemischer Industrie, der momentan sogar auf dem aufsteigenden Ast ist. Maschinenbau und Elektrotechnik macht einen weiteren Teil der Industrie in Tunesien aus. Ein weiterer, sehr gewichtiger Anteil der Wirtschaft liegt im Tourismus. Neben Badeurlaubern kommen auch kulturell interessierte Besucher ins Land, die Karthago und andere archäologisch interessante Orte in Tunesien erkunden wollen.

Geschichte von Tunesien

Die lange Geschichte Tunesiens ist von wechselnden Herrschaften über das Land geprägt. Zunächst waren es Händler aus aller Welt, die sich in dem Landstrich niederließen. Die Gründung der Stadt Karthago 814 v.Chr. geht darauf zurück. 146 v.Chr. zeichnete das Ende des dritten Punischen Krieges, in welchem die stolze Stadt den vordringenden Römern nachgeben musste.

Die Römer machten hundert Jahre später Karthago zur Hauptstadt von ganz Afrika, was allerdings in der Hauptsache dazu diente, das römische Reich mit wertvollen Gütern des Kontinents zu versorgen.Mit der Herrschaft Roms wurde aber auch das Christentum in Tunesien verbreitet. Dieses wurde durch die Islamisierung, beginnend im 7. Jh. enorm eingegrenzt.

Bis heute hat sich Tunesien den arabischen Charakter bewahrt, der sich auch auf die Religion bezieht. In den folgenden Jahrhunderten stand Tunesien weitgehend unter osmanischer Herrschaft. Erst im 19. Jahrhundert begann die französische Kolonialzeit, die durch die Wirren des Zweiten Weltkriegs hindurch andauerte und 1956 mit der Unabhängigkeit Tunesiens endete.