Reiseführer Ungarn

Ungarn ist ein Staat in Mitteleuropa. Seine Grenzen verlaufen im Norden zur Slowakei, im Nordwesten zu Österreich, im Westen zu Slowenien, im Südwesten zu Kroatien, im Süden zu Serbien, im Südosten zu Rumänien und im Nordwesten zur Ukraine. Es handelt sich um ein Binnenland mit Nähe zu Osteuropa. Die beiden wesentlichen Gebirgszüge sind die Karpaten und die Alpen, die zusammen mit der Binnenlage des Landes für ein gemäßigtes kontinentales Klima sorgen. Die Landschaft ist durch die Donau maßgeblich geprägt und beeinflusst. Der Fluss teilt das Land in die Große und Kleine Ungarische Tiefebene, wobei sich das fruchtbarere Gebiet in der Kleinen Tiefebene befindet.

Die weltberühmte Puszta liegt in der Großen Ungarischen Tiefebene. Der ebenfalls populäre Plattensee befindet sich im westlichen Teil des Landes. Rund um das Seengebiet sind einige Thermalquellen, die teilweise zu Heilbädern ausgebaut wurden.


Ungarn wird in wirtschaftlicher Hinsicht einerseits als aufstrebendes und hoch entwickeltes Land angesehen, andererseits führt die hohe Staatsverschuldung immer wieder zu Instabilitäten des Haushaltes. Das Land ist stark im Export von Maschinenbau und Fahrzeugbau Produkten. Einen großen Anteil des gesamt erwirtschafteten Volumens nimmt der Tourismus ein, der sich auf die Puszta, die Gebiete am Plattensee und auf die Hauptstadt Budapest konzentriert.


Budapest ist ein Zusammenschluss von drei ehemals selbstständigen Städten, Buda, Óbuda und Pest. Die Millionenstadt liegt an beiden Ufern der Donau, an deren Verlauf die Hauptattraktionen zu finden sind: die Fischerbastei und gegenüber das Parlamentsgebäude. Eine weitere Attraktion ist die Kettenbrücke, die als eine von neun Brücken über die Donau führt. Sie wurde im 19. Jahrhundert als erste Möglichkeit erbaut, an dieser Stelle die Donau zu überqueren.


Ungarn blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück, in deren Verlauf es für viele Jahrhunderte lang Königreich war. Zunächst herrschten die Magyaren, dann die Osmanen, bis es zur Doppelmonarchie mit Österreich kam. Nach deren Ende im 20. Jahrhundert wandelte sich Ungarn zur Republik, die für einige Jahrzehnte unter sowjetischem Einfluss stand. 1989 erfolgte die Öffnung nach Westen mit weitreichenden Folgen für ganz Europa, besonders für die Wiedervereinigung Deutschlands.

Geographische Lage von Ungarn

Koordinaten 47°N, 19°O Fläche 93030 km²
Landfläche 92340 km² Wasserfläche 690 km²
Höchster Punkt Kekes, 1014m Landesgrenze 2171 km
Größte Insel - Küste -
Größter See -

Ungarn liegt mit seiner Gesamtfläche von ca. 93.000 km² im Pannonischen Becken und damit in Mitteleuropa. Es handelt sich um einen Binnenstaat, der von den Nachbarländern Österreich, Slowakei, Ukraine, Rumänien, Serbien, Kroatien und Slowenien begrenzt wird. Das Landesgebiet wird durch die Donau aufgeteilt in Transdanubien, zu dem auch die Kleine Ungarische Tiefebene gehört und in die Große Ungarische Tiefebene, die sich im östlichen und zentralen Teil Ungarns befindet. Die Kleine Ungarische Tiefebene besteht zum größten Teil aus dem fruchtbaren Becken von Györ. Hier findet sich ein flaches und leicht hügeliges Landschaftsbild.

Fast die Hälfte des ungarischen Staatsgebietes nimmt die Große Ungarische Tiefebene ein. Es handelt sich um weite Flächen, Auenlandschaften entlang der Theiß und vereinzelten Wäldern. Hier findet sich auch die Puszta, eine typisch ungarische Grassteppe, deren Landschaftsbild von Ziehbrunnen, einzelnen Gehöften und von Weidewirtschaft gekennzeichnet ist. Durch gezielte Bewässerung ist der Anbau von Mais, Sonnenblumen und Tabak möglich.


Die Gebirge rund um die Tiefebenen sorgen für ein mildes Klima. Dazu gehört das Zemplén Gebirge im Nordosten und das Mátragebirge im Norden des Landes. Die Karpaten und die Alpen umrahmen förmlich das Land und lassen die charakteristischen Tiefebenen entstehen.
Die wichtigsten Flüsse Ungarns sind die Donau und die Theiß. Der größte See Ungarns und gleichzeitig Mitteleuropas ist der Plattensee (Balaton), der im westlichen Ungarn liegt und mit einigen Thermalquellen aufwarten kann. Ein weiteres Touristenzentrum stellt der Neusiedler See dar, der allerdings nur zum Teil zu Ungarn gehört; der andere Teil gehört zu Österreich.

Wichtige Städte in Ungarn

Budapest

Geografische Lage: 47°30’N, 19°3‘O

Fläche: 525 km²

Einwohner: 1.721.556 (Stand 2010)

Bevölkerungsdichte: 3.279 Einwohner pro km²

Sprache: Ungarisch



Die Hauptstadt des Landes ist gleichzeitig mit 1,7 Millionen Einwohnern die größte Stadt Ungarns und die achtgrößte Europas. Budapest entstand aus der Zusammenlegung der Städte Buda, Óbuda und Pest im Jahr 1873. Durch die Stadt mit den vielen Hügeln fließt die Donau, an deren Ufer sich das Parlamentsgebäude befindet. Den besten Blick darauf hat man von der gegenüberliegenden Aussichtsplattform der Fischerbastei. Über die Donau führen neun Brücken, von denen die bekannteste die Kettenbrücke aus der Mitte des 19. Jahrhunderts ist. Die geografische Lage begünstigt das Vorkommen etlicher Thermalquellen. Das Klima ist überwiegend von trockenen Kontinentaleinflüssen geprägt. Die Höchsttemperaturen erreichen im Juli durchschnittlich 22°Celsius. Die Gründung der Stadt geht auf die Römer zurück, die um das Jahr 89 n.Chr. hier zunächst ein Militärlager und dann eine Siedlung errichteten. Aus dieser Zeit können noch heute in Budapest archäologische Überreste finden. Danach eroberten die Magyaren, dann die Osmanen und schließlich das europäische Herrscherhaus der Habsburger das Land und auch die Gegend um Budapest.

Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt zählen die Fischerbastei, das Parlamentsgebäude, die Freiheitsstatue und die Zitadelle auf dem Gellértberg. Am Burgberg befindet sich die sehenswerte Matthiaskirche. Das Budaer Burgviertel gehört zum UNESCO Weltkulturerbe. Der Stephansdom gilt als höchstgelegenster Kirchenbau der Stadt.

Bevölkerung in Ungarn

Einwohner 9.981.400 Durchschnittsalter 39
Einwohner pro km² 107 Analphabetenrate 1
Bevölkerungswachstum - Religion 18% evangelisch, 25% konfessionslos, 60% griechisch-katholisch
Lebenserwartung Frauen 77 Jahre Lebenserwartung Männer 68 Jahre

Aufgrund der niedrigen Geburtenrate verzeichnet Ungarn einen leichten Rückgang der Bevölkerungszahl. Von den knapp 10 Millionen Einwohnern leben mehr als 6 Millionen in Städten.
Die ethnischen Wurzeln der Bevölkerung setzen sich zu mehr als 90 % aus Magyaren zusammen, knapp 2 % sind Roma, weniger als 1 % sind Ungarndeutsche, bzw. Donauschwaben und Slowaken, sowie Kroaten ergeben zusammen eine Minderheit von 0,4 %. Darüber hinaus gibt es Rumänen, Ukrainer, Polen, Bulgaren, Griechen, Serben, Slowenen, Wenden und Armenier, die in kleinen Minderheiten in Ungarn leben.


Die am weitesten verbreitete Religion der ungarischen Bevölkerung ist das römisch-katholische Christentum mit einer ungarischen griechisch-katholischen Ausrichtung. Ca. 18 % gehören einer evangelischen Glaubensrichtung an, hier sind Calvinisten und Lutheraner zu nennen. Jüdisch Gläubige sind mit ca. 13.000 Personen vertreten. Als konfessionslos bezeichnen sich rund 25 % der in Ungarn lebenden Menschen.


Die ungarische Sprache ist aus dem finno-ugrischen Zweig der uralischen Sprachen entstanden und liegt damit in der Nähe der finnischen Sprache. Sie wird heute in neun Dialektgruppen eingeteilt, die sich aber nur unwesentlich voneinander unterscheiden. Romani und Kroatisch werden von den jeweiligen Minderheiten gesprochen.

Wirtschaft in Ungarn

BIP 134.282.000.000 USD
BIP pro Kopf 13.453 USD
Anteil Landwirtschaft 4 %
Anteil Industrie 31 %
Anteil Dienstleistungssektor 65 %

Ungarn zeigt sich durch seiner Exportquote von 65 % als offenes Wirtschaftsland. Ein Drittel der ausgeführten Güter haben Deutschland als Ziel. Schwerpunktmäßig werden Produkte aus den Bereichen Maschinenbau und der Fahrzeugindustrie ausgeführt. Die wichtigsten Standorte für Industrie sind die Regionen Budapest und an der Grenze zu Österreich. Der Tourismus spielt als Einnahmequelle ebenfalls eine wichtige Rolle für das Land. Besonders die Gebiete am Plattensee und in der Puszta sind neben der Hauptstadt beliebte Ziele für Besucher des Landes.
Die wirtschaftliche Entwicklung verzeichnet in den vergangenen Jahren eine steigende Tendenz, obwohl sie im Durchschnitt unter der europäischen Entwicklung liegt. Die Verschuldung des Staatshaushalts liegt bei 78 % des Bruttoinlandsproduktes.

Geschichte von Ungarn

Ende des 9. Jahrhunderts fiel das Volk der Magyaren in die Gegend ein und führten einige Raubzüge durch. Am 20. August 1000 n.Chr. gründete Stephan I. das Königreich Ungarn. Einer seiner Nachfolger war König Matthias Corvinus, der im 15. Jahrhundert das Reich zur politischen Großmacht formte und auch in kultureller Hinsicht seine Spuren hinterließ. Ungarn wurde zum Zentrum des Humanismus, das auch in Bezug auf die Renaissancekultur eine führende Rolle in Europa einnahm.

Im 16. Jahrhundert kamen die Osmanen im Zusammenhang mit ihren Eroberungszügen auch auf ungarisches Gebiet. Das hatte zur Folge, dass nun der größte Teil Ungarns für fast 150 Jahre unter türkische Herrschaft kam. Erst 1686 konnten die Habsburger Herrscher Ungarn zurückerobern und übernahmen damit die Herrschaft. In den folgenden Jahrzehnten kam es immer wieder zu Aufständen, die 1867 zum österreichisch-ungarischen Ausgleich führten. Ungarn wurde damit zum gleichberechtigten Teil der Doppelmonarchie von Kaiser Franz Joseph I.

Die Wirtschaft des Landes profitierte von dieser Entwicklung, was sich an der stetigen Entwicklung der Industrialisierung zeigte. Das Ende der Doppelmonarchie ging mit dem Austritt Ungarns aus der Realunion mit Österreich während des Ersten Weltkriegs einher. Ungarn wurde am 16. November 1918 zur demokratischen Republik, die jedoch unter dem Einfluss der Kommunisten und der allgemeinen Kriegswirren im Ungarisch-Rumänischen Krieg keinen Bestand hatte. In den folgenden Jahrzehnten kam es zur kurzfristigen Wiedereinführung der Monarchie, allerdings erfolgte nur kurze Zeit später die endgültige Trennung vom habsburgischen Herrscherhaus. Das Ende des Zweiten Weltkrieges brachte auch die Besetzung des Landes durch die russische Rote Armee mit sich.

1956 formierten sich die Ungarn zu einem Volksaufstand gegen die sowjetische Besatzung, der hart und blutig niedergeschlagen wurde. Als Verbündete der Sowjetunion beteiligte sich Ungarn an der militärischen Operation gegen die Tschechoslowakei, als Mitgliedstaaten des Warschauer Paktes den Freiheitsdrang der Tschechen mit ihrem Einmarsch beendeten. Ungarn selbst entwickelte sich jedoch in den nächsten zwanzig Jahren ebenfalls in eine liberale Richtung, was sich letztlich an der Grenzöffnung zu Österreich im Jahr 1989 zeigte. Diese Aktion leitete den anschließenden Zerfall der Deutschen Demokratischen Republik und die Wiedervereinigung Deutschlands ein. Heute ist Ungarn als Parlamentarische Republik ein Mitglied der NATO und der Europäischen Union.